Zeitdruck und Stress vernebelt dir deine Sicht, wohin läufst du?


Autor

Michael

Ich teile meine Erfahrungen aus der systemischen Gründerberatung, um Denkanstöße zu geben und innere Prozesse anzustoßen. Gründung sehe ich nicht nur als Projekt, sondern als persönliche Entwicklung – mit Haltung, Herz und Blick fürs Wesentliche.
Ich biete Angebote für Vor und Nach der Gründung an.


Viele Gründer*innen verlieren sich selbst in Details. Dabei vergessen sie: Es geht nicht darum die Dinge richtig zu machen, sondern die richtigen Dinge zu machen. Das spart Nerven, Zeit und Geld.

Wo steh ich gerade?

Doch woher weiß ich, was die richtigen Dinge für mich sind, da wo ich gerade bin?

  • Was sind aktuell meine wichtigsten Ziele – und zahlen meine täglichen Aufgaben wirklich darauf ein?
    Du arbeitest stundenlang an deiner Website, obwohl dein eigentliches Ziel gerade ist, erste zahlende Kund*innen zu gewinnen.

  • Welche Aufgaben könnte ich loslassen oder delegieren, um mehr Raum für das Wesentliche zu schaffen?
    Du verbringst jeden Tag Zeit mit Buchhaltung, obwohl dir eine virtueller Assistent*in das in wenigen Stunden abnehmen könnte.

  • Welche Kennzahlen oder Indikatoren zeigen mir, ob ich mit meinen Aktivitäten wirklich vorankomme?
    Du postest regelmäßig auf Social Media, weißt aber nicht, ob das wirklich zu mehr Anfragen oder Umsatz führt.

  • Was würde ich tun, wenn ich komplett neu anfangen müsste – ohne Ballast und alte Entscheidungen?
    Du hast dein Produkt mehrfach angepasst, aber es fühlt sich immer noch schwerfällig an – vielleicht, weil du an einem alten Konzept festhältst, das längst überholt ist.

  • Wofür mache ich das alles eigentlich – was ist mein innerer Antrieb?
    Du arbeitest rund um die Uhr, merkst aber, dass du den Kontakt zu deiner ursprünglichen Motivation (z. B. mehr Freiheit oder Impact) verloren hast.

In welcher Welt eigentlich?

Höher, schneller, weiter – aber die Zeit wird immer knapper. Die Kosten steigen, der Druck wächst. Und mit ihm: Stress, Überforderung, psychische Erkrankungen. Die Krankenkassen melden jedes Jahr neue Höchstwerte.

Den Peak erreicht das oft, wenn mehrere Dinge gleichzeitig passieren: hohe finanzielle Verpflichtungen, neue berufliche Rollen, private Veränderungen. Wenn plötzlich mehr Menschen mit dranhängen – Kinder, Partner*innen, Team. Und trotzdem machen viele einfach weiter. Zu groß ist die Angst, dass das fragile Konstrukt, das gerade noch irgendwie hält, zusammenbricht, sobald man daran rüttelt.

Lieber hänge ich abends noch ein paar Stunden dran, gehe später aus dem Büro oder beantworte E-Mails und WhatsApp-Nachrichten zwischen Eis und Spaziergang.

Ich spreche von Mustern. Festgefahrenen gesellschaftlichen Erwartungen. Denn der Mensch als isoliertes Individuum? Ein Mythos. Den Löffel geradezuhalten, haben uns unsere Eltern beigebracht. Die Stühle, auf denen wir sitzen, haben wir selten selbst gezimmert.

Wir sind ständig im Austausch, ständig im Einfluss – bewusst oder unbewusst. Nicht nur durch Nachahmung, auch auf neuronaler Ebene. Gerald Hüther beschreibt es so: Unser Gehirn erinnert sich nicht an die Probleme, sondern an die Lösungen. Was wir regelmäßig tun, wird zur Spur im Kopf. Zum Automatismus. Auch wenn er uns nicht guttut.

In was für einem Umfeld bewegst du dich beruflich?
Von welchen Menschen bist du umgeben – und welche Überzeugungen leben sie?
Was davon gehört wirklich zu dir – und was hast du übernommen, ohne es zu hinterfragen?

Haltung – der Beginn jeder echten Veränderung

Haltung – das Wort erinnert an halten. Vielleicht auch an festhalten. Oder an innehalten.
Ich trete einen Schritt zurück, atme durch, lasse den Autopiloten los. Ich beobachte, nehme wahr, ohne gleich zu urteilen. Ich bin weniger reaktiv, weniger getrieben. Ein Moment der Ruhe zwischen all den Impulsen.

In jedem Permakultur-Kurs beginnt alles mit genau diesem Schritt: dem Beobachten.
Bevor du etwas veränderst, nimm dir Zeit. Ein Jahr, sagen sie. Schau dir das Land an, auf dem du etwas wachsen lassen willst. Fühle, rieche, höre. Mach dir Notizen. Spüre mit allen Sinnen. Und erst dann – erst nach dieser Phase des Wahrnehmens – fängst du an zu gestalten.

Wie viel Zeit nimmst du dir, um dein berufliches Terrain zu beobachten?
Welche Muster hast du in deinem Unternehmen, deiner Branche, deinem Marketing schon erkannt – wirklich erkannt?
Oder legst du einfach weiter Holz nach, weil das Feuer nun mal brennt – ohne zu schauen, ob es die richtige Richtung wärmt?

Denn Haltung bedeutet nicht, sofort zu handeln. Sie beginnt mit Hinsehen. Mit Fragen statt Antworten. Und mit einem Prozess, der weniger nach Business-Framework klingt, aber mehr Wirkung entfalten kann als jeder Fünfjahresplan:

1. Beobachten

Du bemerkst: Du bist ständig beschäftigt – aber du weißt kaum noch, womit genau. Also stoppst du für eine Woche alles, was nicht zwingend ist, und notierst, was du wirklich tust – Stunde für Stunde.
Du erkennst: Ein Großteil deiner Zeit fließt in Klein-Klein – Support, E-Mails, Abstimmungen.

2. Verstehen

Du gehst deine Liste durch und erkennst Muster: Du reagierst fast nur noch auf andere – Kund*innen, Team, Nachrichten. Deine eigentlichen Ziele geraten aus dem Fokus.
Du verstehst: Deine Positionierung ist unklar. Darum kommen ständig Anfragen, die nicht zu deinem Kern passen.

3. Fokussieren

Du entscheidest: Es geht jetzt um ein klares Angebot für genau die Zielgruppe, die du wirklich erreichen willst. Alles andere kommt später.
Du streichst Nebenprojekte, sagst ein paar „Vielleicht“-Anfragen ab und schaffst dir Fokuszeit im Kalender.

4. Gestalten

Du arbeitest eine schlanke Angebotsseite aus. Statt perfekter Website ein klarer One-Pager. Statt 10 Leistungen nur eine. Statt „alles für alle“ ein konkretes Versprechen.
Du erstellst erste Inhalte, sprichst gezielt mit Menschen, die zur Zielgruppe gehören.

5. Erproben

Du veröffentlichst die Seite in einem kleinen Kreis, führst erste Gespräche, holst Feedback ein – bevor du in Werbung investierst oder alles automatisierst.
Du merkst: Einige Dinge zünden sofort. Andere sind erklärungsbedürftig. Du passt an.

6. Pflegen & weiterentwickeln

Du gehst in eine Routine: Wöchentliche Auswertung der Ergebnisse. Was bringt Resonanz? Was frisst Zeit ohne Wert? Du bleibst beweglich, aber nicht beliebig.
Dein Kalender wird ruhiger – aber deine Wirksamkeit steigt.

Vielleicht ist genau jetzt der richtige Moment, um anzuhalten.
Nicht um stehen zu bleiben – sondern um endlich bewusst zu steuern.

Anekdote

Stephen Covey erzählt in “The 7 Habits of Highly Effective People” von einer Gruppe, die sich mit voller Energie durch den Dschungel schlägt. Macheten werden geschwungen, Prozesse optimiert, alle sind beschäftigt – bis jemand auf einen Baum klettert, sich umsieht und ruft:

„Falscher Dschungel!“

Doch von unten kommt nur zurück:

„Ruhe! Wir machen Fortschritt.“

Handlungsimpuls

Um von der Abstrakten Ebene in eine alltagsfähige Handlung zu kommen, empfehle ich konkret folgendes:

# Handlungsimpuls
Nimm dir 30 Minuten. Kein Laptop, kein Handy.
1. Setz dich mit einem Stift und Papier hin.
2. Schreib auf: Was tue ich regelmäßig, das mir Energie raubt?
3. Dann: Was würde passieren, wenn ich es nicht mehr tue?
4. Und zuletzt: Was ist eine Sache, die ich diese Woche ausprobieren kann, die mehr Sinn macht – und nicht nur mehr Aktion?

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